WASSER FÜR ALLE an Schulen in Deutschland und Nepal

Warum Bildungsarbeit ein wichtiger Teil von Viva con Agua ist? Unsere Mitarbeiterin Sophia erklärt es!

Du arbeitest für Inspiration und Bildung bei Viva con Agua. Was steckt dahinter?

Mit der Bildungsarbeit will VcA vor allem junge Menschen erreichen, denn das sind diejenigen, die die Zukunft mitgestalten werden. Wir wollen so früh wie möglich anknüpfen und Menschen für das Thema WASH (Anm. der Redaktion: WASH steht für WAter, Sanitation, Hygiene) sensibilisieren und aktivieren. Im letzten Jahr konnten wir circa 8.000 Schüler durch verschiedene Aktionen in Deutschland erreichen und ich bin zuversichtlich, dass diese Zahl noch weiter steigen wird.

Schulen stehen auch in den von VcA unterstützten Projektländern im Fokus. Warum ist es für VcA wichtig, dort mit Schülern zusammen zu arbeiten?

 

Die Motivation und der Fokus unterscheiden sich gar nicht so sehr von unserer Arbeit hier vor Ort. Wir erreichen sehr viele junge Menschen – das ist an den Schulen in Nepal nicht anders als in Deutschland. In den Projektländern ist es besonders schön, dass unser „Universal Language Approach“ gerade an Schulen super funktioniert. Das heißt wir treten mit den jungen Menschen über die universellen Sprachen Musik, Sport und Kunst in Kontakt. Dabei gibt es eine recht geringe Hemmschwelle. Wir fingen sofort an mit den Kindern ein Lied einzustudieren und die Wände zu bemalen. Zudem erreichen wir in den Projektländern einen Multiplikations-Effekt. Wir sprechen junge Schüler mit dem Thema WASH an, tauschen uns aus und sie wiederum geben ihr Wissen an ihre Eltern und an die ganze Gemeinschaft weiter. Dieser Hebeleffekt macht die Bildungsarbeit so wertvoll.

Im November 2018 hast du im Rahmen einer Projektreise Nepal besucht. Was war dein erster Eindruck des Landes?

Tatsächlich war ich total zwiegespalten. Einerseits ist Kathmandu eine sehr chaotische Stadt, viel Lärm und Verkehr und zu anfangs auch ein wenig überfordernd. Andererseits begeistert Nepal durch seine großartige, abwechslungsreiche Landschaft, sobald man aus der Stadt rauskommt. Das war das Erste, was mir aufgefallen ist – dieser Gegensatz zwischen lauter, hektischer Stadt und wunderschöner Natur.

Ihr habt vor Ort verschiedene Schulen besucht. Wo waren diese?

Wir haben sowohl Schulen in der Hauptstadt Kathmandu, als auch in unserem Projektgebiet, der Chitwan Region im Süden Nepals, besucht. Insgesamt waren wir an sieben Schulen in zehn Tagen. In Nepal liegen viele Schulen weit entlegen in kleinen Dörfern, weshalb es teilweise sehr schwierig ist, sie mit einer größeren Reisegruppe zu erreichen. Wir konnten also nur Gemeinden besuchen, welche gut erreichbar sind und in denen es schon Projekte gibt, die von Viva con Agua unterstützt werden.

Was genau habt ihr an den Schulen in Nepal gemacht?

Unsere Reisegruppe bestand sowohl aus Mitarbeitern aus dem Büro als auch aus Künstlern und Musikern, so konnten wir ganz unterschiedliche Aktionen mit den Schülern machen. Wir haben selbst einen Tanz einstudiert und mit den Kindern geprobt, gemeinsam Wände bemalt, zusammen geübt wie wir uns richtig die Hände waschen. Die Musiker Z.B. von Irie Révoltés haben freestyle mit ihnen Musik gemacht, eine andere Gruppe hat sich einen Fußball geschnappt und ist über den Rasen gerannt. Es war ein ganz bunt gemischtes Programm.

Worin unterscheiden sich die Projekte an deutschen und an nepalesischen Schulen?

Hier an den Schulen haben wir immer zwei bis drei Stunden Zeit, manchmal sogar einen ganzen Projekttag. Dann können wir auch thematisch tiefer einsteigen und die Schüler dazu bewegen selbst aktiv zu werden. Das geht in Nepal einerseits nicht, weil man die Zeit nicht hat, andererseits gibt es auch gar nicht den Rahmen dafür, da wir keine gemeinsame Sprache sprechen. Trotzdem sehe ich große Gemeinsamkeiten: wir gehen in die Schulen, um jungen Menschen kennenzulernen, ihnen von VcA zu erzählen und warum WASH-Projekte so wichtig sind. Wir lassen uns von jungen Menschen zeigen, was sie können. Wir gehen nicht nach außen und wollen anderen Leuten oder jungen Menschen zeigen, wie richtiges Hände waschen geht, sondern sie zeigen es uns. Hier in Deutschland ist es oft so, dass uns die Schüler ihre selbst gebastelte Pfandtonne zeigen oder welche Aktionen zugunsten von sauberem Trinkwasser sie schon auf die Beine gestellt haben. In Nepal war das genauso: Die Kinder zeigten uns, was sie für einen Schultanz können oder welche Arbeitsgemeinschaften sie an der Schule haben, wie sie selbst schon gelernt haben, sich die Hände zu waschen. Es ist einfach eine Begegnung auf Augenhöhe, welche sich von unserer Bildungsarbeit hier in Deutschland nicht unterscheidet.

Welcher Moment an einer Schule vor Ort hat dich am meisten bewegt? Was war dein persönliches Highlight?

Das war der erste Tag. Wir waren in einer Schule und das ganze Team war noch ein bisschen aufgeregt. Niemand wusste so wirklich, was auf uns zukommt. Wir hatten vorher einen Tanz mit einem gemeinsamen Song einstudiert, den wir vor der gesamten Schule performten. Pablo von Irie Révoltés und David Bucher von der Schweizer Band Dabu Fantastic haben mitgerappt und es hat nur ein bis zwei Minuten gedauert, bis alle begriffen haben, worum es geht und direkt mit eingestiegen sind. Die Kinder tanzten und sangen den Refrain mit. Es war so schön zu sehen, dass wir alle aus unterschiedlichen Ländern kamen, nicht mal dieselbe Sprache sprechen, aber über Musik und Tanz sofort in Kontakt kamen. Das war ein echter Gänsehautmoment, weil das genau das ist, womit wir uns bei VcA täglich beschäftigen.

Welche Erfahrung aus Nepal nimmst du für deine Arbeit in Deutschland mit?

Auf jeden Fall das positive Gefühl zu sehen, was die Spenden vor Ort wirklich bewirken. Ich habe gesehen, was es bedeutet, wenn eine Gemeinschaft einen Brunnen mitten im Dorf stehen hat, wenn die Frauen nicht mehr drei Stunden am Tag zum Wasser laufen müssen. Die Menschen haben mir erzählt, was es bedeutet, mehr Zeit zu haben, um z.B. die Kinder von der Schule abzuholen. Zurück in Deutschland kann ich nun den Schülern ganz anders vermitteln, was es bedeutet, wenn sie eine eigene Pfandtonne basteln und 100 Euro spenden. Denn ich konnte sehen, was mit dem Geld passiert. Das hat mich nochmals mehr motiviert für Viva con Agua begeistert zu arbeiten und eben diese Begeisterung an andere Menschen weiterzugeben.

Was bedeutet "Wasser für alle - alle für Wasser" für dich?

"Wasser für alle" ist einfach: Wasser ist ein Menschenrecht und jeder Mensch soll einen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. "Alle für Wasser" bedeutet für mich, dass jeder Mensch sich für Trinkwasserprojekte engagieren kann, sei es ein Chef in einem Unternehmen, der VcA mit einer Unternehmensspende unterstützt oder ein Kind in der Grundschule, das mit seinen Mitschülern oder den Eltern einen Flohmarktverkauf organisiert. Jeder kann sich engagieren, jeder kann sein Potenzial entfalten und jeder kann Teil des Viva con Agua Kosmos sein. Das ist auch unser All Profit Gedanke, dass alle etwas davon haben, wenn sie bei VcA mitmachen.


Roxana Becker hat Sophia Burgard auf ein Wasser im Brunnenbüro getroffen. Sophia hat Viva con Agua durch verschiedene Veranstaltungen in der Uni Bremen kennengelernt. Seit nun knapp einem Jahr betreut sie hauptamtlich mit Jenny Buchwald die Bildungsarbeit. Sie setzen unter anderem Workshops oder Spendenläufe an verschiedenen Institutionen um, seien es Grundschulen, Unis oder große Unternehmen. Zudem ist Sophia Schnittstelle zwischen Verein und Ehrenamtlichen, um sie für ihre Bildungsaktionen zugunsten von VcA zu coachen.

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