Ein magischer Moment - der Moment des Wassers

Francis Mugoya ist Programmkoordinator bei Viva con Agua Kampala in Uganda. Rund um den Weltwassertag am 22. März 2019 besuchte er mit einer Gruppe von Viva con Agua Mitarbeitern und Supportern die Region Karamoja, wo Viva con Agua WASH-Projekte unterstützt. Dabei wurde die Gruppe auf einen defekten Brunnen hingewiesen und konnte mit dem lokalen Projektpartner Welthungerhilfe eine Reparatur in die Wege leiten und begleiten. Hier berichtet Francis von seinen Eindrücken.

Wasser ist ein Menschenrecht – diese Überzeugung leben wir! Wie es ist, wenn dieses Grundrecht ausgehebelt wird, weil ein Brunnen ausfällt und tagelang kein Zugang zu sauberem Trinkwasser gegeben ist – diese schwierige Erfahrung musste eine kleine, abgelegene Community im Nordosten Ugandas machen.

 

Zur Einordnung: Karamoja ist eine der am wenigsten entwickelten Regionen Ugandas. Positive Fortschritte sind hauptsächlich in und rund um Moroto, der Provinzhauptstadt, zu verzeichnen. Zwei Stunden östlich von Moroto, direkt an der Grenze zu Kenia, befindet sich eine kleine Community mit rund 400 Bewohnern. Wie abgeschieden dieses Dorf ist, machte uns schon die Fahrt dorthin deutlich: über staubige Landstraßen, an einzelnen Dörfern vorbei, ohne weitere Infrakstuktur.

Als der Brunnen der Community kaputtgegangen war, improvisierte die Dorfgemeinschaft zunächst. Die Bewohner füllten Wasserkanister in der Nachbargemeinde auf und brachten sie rund 20 Kilometer zurück ins Dorf. Dieser neue und strapaziöse Weg an Wasser zu gelangen, konnte die Grundversorgung der Gemeinschaft nur unzureichend decken. Das Vieh, der größte Schatz der Bewohner, litt am meisten unter der Situation.

Unser lokaler Partner, die Welthungerhilfe, wurde auf die Lage im Dorf aufmerksam gemacht – allerdings erst acht Tage nachdem der Brunnen kein Wasser mehr pumpte. Die Mitarbeiter reagierten mit der nötigen Dringlichkeit und konnten – auch mit Hilfe des finanziellen Supports von Viva con Agua – eine Reparatur des Brunnens einleiten. Am neunten Tag ohne Wasser.

Unsere Gruppe erreichte das Dorf gemeinsam mit den Mitarbeitern der Welthungerhilfe. Kurz darauf kam auch der Truck mit den Handpumpenmechanikern, die auf die Wartung und Reparatur von Handpumpen spezialisiert sind. Handpumpen sind das am meisten verbreitete Wasserversorgungssystem in der Region.

Die Aufregung und Freude der Dorfbewohner war groß! Mit der Ankunft des Trucks war klar: Hilfe ist da! Mütter mit ihren Kindern, Senioren und Jugendliche versammelten sich am Brunnen, um den Moment nicht zu verpassen, wenn das Wasser wieder fließt.

Die Mechaniker entnahmen die Rohre des Brunnens, ersetzten die beschädigten Rohre und setzten sie wieder zusammen. Während der Arbeit bekamen die Mechaniker viel Unterstützung aus der Community, die Bewohner halfen, wo sie konnten. Drei Stunden lang drehte sich alles um Schrauben, Rohre, Bolzen. Es war faszinierend zu sehen, wie die neuen Rohre miteinander verbunden wurden.

Dann kam er, der magische Moment – der Moment des Wassers! Nachdem auch die äußere Hülle des Brunnens wieder angebracht war, konnte der Brunnen wieder genutzt werden. Würde er funktionieren? Ein halbes Dutzend Stöße mit der Pumpe, die ersten Tropfen – und dann floss das Wasser, zum ersten Mal nach neun Tagen. Die Dorfbewohner jubelten. Nun waren sie sicher: das Wasser ist wieder da! Eine Gruppe Frauen fing spontan an zu tanzen, ein traditionelles Ritual, um Danke zu sagen. Währenddessen brachten die Menschen ihre Wasserkanister zum Brunnen, um sie nach und nach zu Befüllen.

Für uns war das Miterleben dieses Prozesses faszinierend und intensiv. Es war bewegend, die Arbeit und den Erfolg der Mechaniker zu erleben – die Dorfgemeinschaft konnte wieder Wasser aus ihrem eigenen Brunnen holen. Das Leben war zurückgekehrt.

Es war bereichernd, zu sehen, wie sich einzelne Teile von Viva con Agua durch die gemeinsame Vision „Wasser für alle“ mit einer abgeschiedenen Community im Norden Ugandas verbinden können. Natürlich wurden an diesem Tag nicht alle Herausforderungen und Probleme dieses Dorfes behoben. Aber das Wasser war zurück. Alles andere hat mehr Zeit. Aber nicht das Wasser. WASSER IST LEBEN!

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